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Was kostet ein Tattoo?

Was kostet ein Tattoo?

10 Min. Lesezeit

Ein Tattoo hat keinen Katalogpreis, weil nicht das Motiv verkauft wird, sondern die Zeit Deines Künstlers. Für jede Schätzung genügen zwei Zahlen: der Stundensatz und der Mindestpreis. Größe, Stelle, Detailgrad und Farbe entscheiden nur darüber, wie viele Stunden daraus werden.

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Kaum eine Frage wird vor dem ersten Termin so oft gestellt und so ungern beantwortet. Wer nach dem Preis fragt, bekommt eine Gegenfrage: Wie groß, wo, welcher Stil, hast Du eine Vorlage? Das wirkt ausweichend, ist aber die einzig ehrliche Reaktion — denn ohne diese Angaben gibt es die Zahl schlicht nicht.

Sobald Du verstehst, wofür Du eigentlich bezahlst, wird die Sache übersichtlich. Es gibt keinen Katalog, aber es gibt eine Rechnung, und die kannst Du nach zehn Minuten selbst aufmachen. Dieser Artikel liefert die Größen dafür — in Stunden, nicht in Beträgen, denn Stunden gelten überall gleich.

1. Warum es keine Preisliste gibt

Frag zehn Studios nach dem Preis für dasselbe Motiv, und Du bekommst zehn verschiedene Antworten — nicht, weil eines davon unseriös wäre, sondern weil die Frage im Tätowieren anders gestellt werden muss. Verkauft wird kein Gegenstand, sondern die Arbeitszeit eines bestimmten Menschen an Deiner Haut. Der Preis ist deshalb immer ein Produkt aus zwei Größen: was eine Stunde bei dieser Person kostet, und wie viele Stunden Dein Motiv braucht.

Die erste Größe ist eine feste Zahl, die Dir jedes Studio auf Nachfrage nennt. Sie hängt an Erfahrung, Nachfrage, Miete, Material und daran, wie lange man auf einen Termin wartet. Die zweite ist eine Schätzung, und abgeben kann sie nur die Person, die das Motiv auch sticht — weil sie weiß, wie schnell sie selbst arbeitet.

Deshalb bekommst Du auf eine Anfrage ohne Bild fast nie eine Zahl. „Was kostet ein Wolf am Unterarm" ist aus Studiosicht ungefähr so beantwortbar wie „was kostet ein Umbau": Zwischen einer feinen Linienzeichnung und einer dicht schattierten Fläche derselben Größe liegt ein Vielfaches an Zeit.

Was Du stattdessen bekommst, sobald Du Referenzbilder, ungefähre Maße und die Körperstelle mitschickst, ist eine Zeitschätzung: „das sind zwei bis drei Stunden" oder „das machen wir an zwei Tagen". Mit dieser Schätzung und dem Stundensatz rechnest Du Dir den Preis selbst aus — in Deiner Währung, an Deinem Ort.

Das ist auch der Grund, warum in diesem Text keine Beträge stehen. Ein Stundensatz in einer Großstadt und einer in einer Kleinstadt liegen weit auseinander, zwischen zwei Ländern noch weiter, und jede genannte Zahl wäre für die meisten Leserinnen und Leser falsch. Die Zeitangaben dagegen gelten überall: Eine Stunde ist eine Stunde.

Du kaufst kein Motiv, Du kaufst Stunden. Deshalb ist die ehrlichste Antwort auf die Preisfrage eine Zeitschätzung — der Rest ist Kopfrechnen.

2. Der Mindestpreis: warum das kleinste Motiv nicht das billigste ist

Jedes Studio hat einen Mindestpreis. Er greift, sobald die reine Stechzeit unter dem liegt, was der Termin an Aufwand ringsherum verursacht. In vielen Studios entspricht er ungefähr einer halben bis einer ganzen Stunde des Stundensatzes.

Für die meisten ist das der unangenehmste Punkt des ganzen Themas. Ein zwei Zentimeter großes Symbol dauert unter der Nadel vielleicht zehn Minuten — und kostet trotzdem so viel wie eine dreiviertel Stunde Arbeit. Das wirkt unverhältnismäßig, bis man sieht, was an einem Termin alles nicht Stechen ist:

  • Aufbau und Abbau der Station. Fläche abkleben, Maschine rüsten, Farbe einfüllen, danach alles zerlegen und entsorgen.
  • Einwegmaterial. Nadeln, Kappen, Rakel, Handschuhe, Folie, Tücher — beim Miniaturmotiv fast dieselbe Menge wie bei der großen Arbeit.
  • Desinfektion und Reinigung. Vorher, zwischen zwei Terminen und danach; das richtet sich nach Hygiene, nicht nach Motivgröße.
  • Zeichnung und Schablone. Auch ein winziges Motiv wird gezeichnet, an die Stelle angepasst, gedruckt und aufgelegt.
  • Papier und Nachsorge. Einwilligung, Dokumentation, Nachsorgeerklärung — und der Puffer für ein späteres Nachstechen.

Zusammengerechnet blockiert auch ein Zehn-Minuten-Motiv gut eine Stunde im Kalender. Der Mindestpreis ist nichts anderes als der Preis für diese Stunde. Er ist kein Zuschlag und keine Abwehr kleiner Aufträge, sondern die Grenze, unterhalb derer ein Termin das Studio Geld kostet.

Daraus folgt ein praktischer Trick: Wenn Du ohnehin mehrere kleine Motive im Kopf hast, frag, ob sie in einen Termin passen. Ein Termin mit vier kleinen Arbeiten ist fast immer deutlich günstiger als vier Termine mit je einer — der Mindestpreis fällt dann einmal an statt viermal.

Und ein Motiv knapp über der Grenze ist selten teurer als eines knapp darunter. Wer den Mindestpreis sowieso zahlt, kann das Motiv oft etwas größer oder sauberer ausführen lassen, ohne dass sich am Betrag etwas ändert. Das ist die einzige Stelle im Tätowieren, an der „mehr" nichts kostet — frag danach.

2. Der Mindestpreis: warum das kleinste Motiv nicht das billigste ist — Was kostet ein Tattoo?

3. Was die Zeit treibt: Größe, Stelle, Detailgrad, Farbe

Wenn der Preis aus Zeit besteht, ist jede Preisfrage in Wahrheit die Frage, was Zeit kostet. Vier Dinge tun das zuverlässig.

Die Größe ist der offensichtliche Treiber, aber sie wirkt nicht linear: Fläche wächst im Quadrat. Ein Motiv mit doppelter Kantenlänge hat die vierfache Fläche — und Fläche ist genau das, was ausgefüllt werden muss.

Die Stelle entscheidet über das Tempo. An Rippen, Knien, Ellenbogen, Händen und Füßen arbeitet es sich langsamer, weil die Haut nachgibt, sich bewegt oder empfindlicher ist und mehr Pausen nötig macht. Dieselbe Zeichnung am Oberarm und am Rippenbogen sind zwei verschiedene Aufträge.

Der Detailgrad ist der am meisten unterschätzte Punkt. Feine Schrift, exakte Geometrie, Porträts und weiche Verläufe verlangen langsames, kontrolliertes Arbeiten und oft mehrere Durchgänge über dieselbe Stelle. Zwei Motive gleicher Größe können sich in der Zeit um das Dreifache unterscheiden.

Farbe kostet Zeit, weil sie in Schichten aufgebaut wird und weil jeder Farbwechsel Rüstzeit bedeutet. Deckende Farbflächen brauchen spürbar länger als dieselbe Fläche in Schwarz und Grau.

MotivTypische Zeit unter der NadelWas die Zeit treibtWas das für den Preis heißt
Kleines Symbol, feine Liniedeutlich unter einer Stundekaum Fläche, kurze Vorbereitunglandet auf dem Mindestpreis
Schriftzug, handgroßein bis zwei StundenLinienführung, exakte Ausrichtungein bis zwei Stunden Stundensatz
Handtellergroßes Motiv mit Schattierungdrei bis fünf StundenFläche, Verläufe, Pauseneine gute halbe bis ganze Sitzung
Farbige Arbeit über den halben Oberarmmehrere Sitzungen zu je einigen StundenFarbschichten, Heilpausen dazwischenje Sitzung meist Tagessatz statt Einzelstunden
Cover-up über eine alte Arbeitlänger als dasselbe Motiv auf freier Hautmehr Deckung, oft eine Vorbereitungssitzungrechne mit rund einer Sitzung Aufschlag

Die Zeitangaben sind Erfahrungswerte für ein Gespräch, keine Zusagen. Zwei Künstler brauchen für dieselbe Zeichnung unterschiedlich lange, und beides kann richtig sein. Verbindlich ist nur, was Dir Dein Studio sagt, nachdem es die Vorlage gesehen hat.

Ein Faktor fehlt in dieser Aufzählung und gehört trotzdem dazu: Deine Verfassung am Termintag. Häufige Pausen verlängern eine Sitzung, und eine verlängerte Sitzung kostet bei Stundenabrechnung mehr. Ausgeschlafen und satt zu kommen ist der einzige Teil des Preises, den Du selbst in der Hand hast.

4. Stundensatz, Festpreis, Tagessatz — und was sonst auf die Rechnung kommt

Drei Abrechnungsmodelle sind üblich, und welches Du bekommst, hängt am Motiv.

Nach Stunde wird gerechnet, wenn sich die Dauer schlecht vorhersagen lässt: große Flächen, freihändige Arbeiten, Cover-ups. Der Vorteil ist Fairness in beide Richtungen — geht es schneller, zahlst Du weniger. Der Nachteil ist, dass Du vorher keine feste Zahl hast.

Zum Festpreis wird ein klar umrissenes Motiv gerechnet, das die Person schon oft gestochen hat. Dann trägt das Studio das Risiko, dass es länger dauert. Frag hier ausdrücklich nach, ob der genannte Betrag eine Obergrenze ist oder eine Schätzung, von der nach oben abgewichen werden darf.

Der Tagessatz gilt für Sitzungen, die einen Arbeitstag füllen. Er liegt fast immer unter der Summe der Einzelstunden, die er abdeckt — häufig entspricht er etwa sechs bis sieben Stunden, obwohl deutlich länger gearbeitet wird. Wer ein großes Projekt plant, fährt damit spürbar günstiger als mit vielen kurzen Terminen.

Damit am Ende keine Überraschung steht, gehören vier Fragen schon in die erste Nachricht:

  • Wie hoch sind Stundensatz und Mindestpreis? Mit diesen beiden Zahlen überschlägst Du alles Weitere selbst.
  • Wird dieses Motiv nach Stunde oder zum Festpreis gerechnet? Und falls Festpreis: Ist er eine Obergrenze?
  • Gibt es einen Tagessatz, und ab wie vielen Stunden lohnt er sich?
  • Ist der genannte Betrag der Endbetrag? Also: Steuer enthalten, Anzahlung angerechnet, Nachstechen inbegriffen.

Die Anzahlung ist keine zusätzliche Ausgabe. Sie reserviert den Termin, bezahlt die Zeichnung und wird am Tag vom Gesamtbetrag abgezogen — verfällt aber üblicherweise, wenn Du kurzfristig absagst. Warum Studios sie nehmen und was Du Dir vorher schriftlich geben lässt, steht in einem eigenen Artikel.

Das Nachstechen wird unterschiedlich gehandhabt. Viele Studios legen innerhalb eines Zeitfensters eine kurze Korrektur kostenlos dazu, andere berechnen sie als kleine Sitzung, meist zum Mindestpreis. Frag danach, bevor Du buchst, nicht erst, wenn Du sie brauchst.

Ob Trinkgeld erwartet wird, ist von Land zu Land und teils von Stadt zu Stadt völlig verschieden: Es gibt Märkte, in denen ein zweistelliger Prozentsatz selbstverständlich dazugehört, und andere, in denen niemand damit rechnet. Das ist keine Rechtsfrage, sondern eine Gepflogenheit — frag jemanden vor Ort oder das Studio selbst, statt eine Regel aus einem anderen Land zu übernehmen.

Zwei weitere Punkte werden leicht übersehen. Wie ein Preis ausgewiesen sein muss — mit oder ohne Steuer, was auf einer Rechnung zu stehen hat — ist nationales Recht und unterscheidet sich; wenn Du eine Rechnung brauchst, sag es bei der Buchung. Und wer für einen Gastkünstler oder ein Studio in einer anderen Stadt reist, rechnet Fahrt und Übernachtung dazu. Das ist echtes Geld, aber es gehört nicht zum Preis der Arbeit.

4. Stundensatz, Festpreis, Tagessatz — und was sonst auf die Rechnung kommt — Was kostet ein Tattoo?

5. Warum der Preisvergleich zwischen zwei Künstlern in die Irre führt

Die naheliegendste Reaktion auf zwei Angebote ist, die Beträge nebeneinanderzulegen. Genau das führt beim Tätowieren zuverlässig in die Irre, und zwar zuerst aus einem rechnerischen Grund: Ein Stundensatz sagt nichts, solange Du nicht weißt, wie viele Stunden daraus werden.

Wer langsam arbeitet, kann bei niedrigerem Satz am Ende teurer sein als jemand mit hohem Satz, der dasselbe Motiv in der halben Zeit sticht. Vergleichbar ist deshalb nur der Gesamtbetrag für Dein konkretes Motiv bei dieser konkreten Person — und den bekommst Du erst, wenn beide Deine Vorlage gesehen haben.

Der zweite Grund wiegt schwerer. Ein Tattoo ist eine Anschaffung, die Du jahrzehntelang trägst und die sich nicht zurückgeben lässt. Eine Korrektur kostet ein Vielfaches: Ein Cover-up braucht mehr Fläche, mehr Deckung und mehr Zeit als das Original, und eine Laserentfernung ist eine Serie von Terminen über ein bis zwei Jahre. Gemessen daran ist der Abstand zwischen zwei seriösen Angeboten fast immer klein.

Was Du stattdessen vergleichst: verheilte Arbeiten statt frischer Fotos, weil erst nach Monaten sichtbar wird, ob Linien sauber sitzen. Motive, die Deinem ähneln, statt des schönsten Bildes im Portfolio. Und wie jemand kommuniziert — ob eine Schätzung begründet wird, ob das Studio sauber ist, ob Fragen beantwortet werden, ohne dass es genervt wirkt.

Ein auffällig niedriger Preis ist kein Beweis für schlechte Arbeit. Er kann Berufsanfang bedeuten, niedrige Miete oder eine ruhige Woche. Er ist aber ein Grund, genauer hinzusehen — vor allem, wenn gleichzeitig Hygiene, Beratung oder Portfolio dünn wirken. Umgekehrt gilt dasselbe: Ein hoher Satz ist keine Garantie. Die Arbeit beantwortet beides besser als jede Zahl.

Und wenn das Budget für das Wunschmotiv heute nicht reicht, ist die richtige Antwort fast nie ein billigeres Studio, sondern ein kleineres Motiv, ein späterer Termin oder ein Projekt in Etappen. Die meisten Künstler planen so etwas gern mit — gefragt wird nur selten.

Ein Tattoo kostet Zeit mal Stundensatz, mindestens aber den Mindestpreis. Größe, Stelle, Detailgrad und Farbe entscheiden über die Stunden; Anzahlung, Nachstechen und Steuer darüber, ob der genannte Betrag der Endbetrag ist. Schick Referenz, Maß und Körperstelle, frag nach Stundensatz und Mindestpreis — und vergleiche danach Arbeiten, nicht Zahlen.

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