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Der Preis auf der Liste gilt für eine Modellage in Standardlänge, in einer Farbe, ohne Extras. Die eigentliche Rechnung entsteht über das Jahr: Auf jede Neumodellage kommen vier bis sechs Auffüllungen, dazu Aufpreise für Länge, Form und Nailart, gelegentlich eine Reparatur und irgendwann eine Abnahme. Wer nur den Einzeltermin vergleicht, vergleicht die kleinste der beteiligten Zahlen.
Nägel sind keine einmalige Anschaffung. Sie sind ein Abo mit unregelmäßigen Raten, und genau deshalb führt die Frage „was kostet eine Modellage" so oft in die Irre. Interessant ist nicht, was ein Termin kostet, sondern welche Posten wie oft anfallen und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen.
Dieses Verhältnis ist übrigens erstaunlich stabil — über Städte, Länder und Währungen hinweg. Die absoluten Zahlen sind es nicht. Deshalb steht in diesem Artikel die Struktur der Rechnung im Vordergrund; die Beträge dazu holst Du Dir bei zwei Studios in Deiner Nähe.
1. Was im Grundpreis wirklich steckt
Auf fast jeder Preisliste stehen zwei Zahlen: eine für die Neumodellage und eine für das Auffüllen. Beide gelten für den Normalfall — kurze bis mittlere Länge, eine Farbe, keine Verlängerung weit über die Fingerkuppe hinaus, kein Design. Alles darüber hinaus steht entweder weiter unten auf der Liste oder gar nicht darauf.
Enthalten sind in aller Regel: das Vorbereiten des Naturnagels, das Material, das Modellieren, Formen und Feilen, eine Farbe oder eine schlichte Deckschicht und das Einölen zum Schluss. Das ist mehr Arbeit, als es klingt. Der größte Teil des Termins besteht aus Vorbereitung und Feilen, nicht aus dem Aufbau selbst — deshalb bezahlst Du hier vor allem Zeit und nicht Material.
Nicht enthalten ist fast überall die Abnahme einer fremden Modellage, also einer, die nicht in diesem Studio gemacht wurde. Das ist kein Trick, sondern eine Zeitfrage: Wer nicht weiß, welches Material auf dem Nagel liegt, muss vorsichtiger arbeiten und braucht länger.
Und ein Posten fehlt auf jeder Liste, obwohl er fast alles erklärt: die eingeplante Zeit. Zwei Studios mit identischem Listenpreis können sechzig oder neunzig Minuten für dieselbe Leistung ansetzen. Der Preis pro Termin ist dann gleich, der Preis pro Stunde nicht — und die Stunde ist das, was Du beim Vergleichen eigentlich meinst.
Vergleiche nicht die Neumodellage, sondern das Auffüllen — das ist der Posten, der sich zwanzigmal im Jahr wiederholt.
2. Neumodellage gegen Auffüllen: die laufende Rechnung
Die Grundstruktur ist überall dieselbe, egal wo Du buchst. Die Neumodellage ist der teuerste Einzelposten und der Bezugswert für alles andere; das Auffüllen liegt deutlich darunter; Reparatur, Abnahme und Aufpreise ordnen sich als Bruchteile dazwischen ein.
| Posten | Wann er anfällt | Anteil an einer Neumodellage |
|---|---|---|
| Neumodellage | zu Beginn und nach 4 bis 6 Auffüllungen | der Bezugswert |
| Auffüllen | alle 2 bis 3 Wochen | etwa zwei Drittel |
| Aufpreis für Länge und Form | bei jedem Termin, wenn Du lang trägst | ein Zehntel bis ein Drittel obendrauf |
| Nailart | auf Wunsch | pro Nagel berechnet, nicht pro Termin |
| Reparatur eines Nagels | zwischen zwei Terminen | ein Zehntel bis ein Fünftel |
| Abnahme ohne Neuaufbau | am Ende oder beim Systemwechsel | ein Viertel bis ein Drittel |
Damit Du eine Größenordnung hast: In deutschen Studios liegt eine Neumodellage üblicherweise zwischen 45 und 80 Euro, eine Auffüllung zwischen 30 und 55 Euro, in Großstädten eher am oberen Rand. Nimm das als Spanne zum Nachfragen, nicht als Angebot.
Und jetzt die Rechnung, die niemand aufmacht. Bei einem Termin alle zweieinhalb Wochen kommst Du auf gut zwanzig Termine im Jahr. Drei davon sind Neumodellagen, der Rest Auffüllungen. Unterm Strich zahlst Du damit in zwölf Monaten ungefähr das Fünfzehnfache einer einzelnen Neumodellage. Das ist die Zahl, um die es eigentlich geht — und sie steht auf keiner Preisliste.
Daraus folgt etwas sehr Praktisches: Ein Studio, das beim Auffüllen zwei Euro günstiger ist, spart Dir übers Jahr mehr als eines, das bei der Neumodellage zehn Euro günstiger ist. Beim Vergleichen lohnt deshalb der Blick auf die Zeile, die am häufigsten anfällt, nicht auf die größte.
3. Was den Preis nach oben schiebt
Die Aufpreise sind kein Kleingedrucktes. Sie folgen alle demselben Prinzip: Sie bezahlen zusätzliche Zeit und zusätzliches Material. Wer weiß, welche davon ihn betreffen, bekommt am Telefon eine belastbare Zahl statt einer Spanne.
- Länge: Ab einer Verlängerung über die Fingerkuppe hinaus wird meist in zwei oder drei Stufen gestaffelt. Jede Stufe braucht mehr Material und mehr Aufbau an der Belastungszone.
- Form: Rund und oval sind der Normalfall. Ballerina, Stiletto und scharfe Kanten kosten Aufpreis, weil sie langsamer zu feilen sind und weniger Fehler verzeihen.
- Verstärkung ohne Verlängerung: Eine Aufbauschicht auf dem eigenen Nagel liegt zwischen Gel-Lack und Modellage — in der Leistung und im Preis.
- Nailart: Wird fast immer pro Nagel berechnet, nicht pro Termin. Zwei Akzentnägel fallen kaum ins Gewicht, zehn aufwendig gestaltete Nägel können den Terminpreis fast verdoppeln.
- Reparatur: Ein einzelner Nagel zwischen zwei Terminen ist ein eigener Posten. Er ist klein, kommt aber bei manchen Händen regelmäßig vor und gehört dann in die Jahresrechnung.
- Abnahme: Wird berechnet, wenn nichts Neues gemacht wird oder das Material aus einem anderen Studio stammt. Im selben Termin mit Neuaufbau ist sie häufig enthalten.
Was den Preis dagegen kaum bewegt, ist die Frage Gel oder Acryl. Die beiden Systeme liegen fast überall auf demselben Niveau. Der Unterschied entsteht über Länge, Form und Design — nicht über das Material.
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4. Warum ein günstiger Erstbesuch teuer werden kann
Ein niedriger Einstiegspreis ist nicht automatisch ein schlechtes Geschäft. Teuer wird er nur, wenn er über eine von drei Stellen zustande kommt — und die lassen sich alle vorher erkennen.
Die erste ist die Zeit. Eine Modellage, für die sechzig statt neunzig Minuten eingeplant sind, spart die Minuten irgendwo, und gespart wird fast immer an der Vorbereitung, weil man sie hinterher nicht sieht. Sichtbar wird sie drei Wochen später, als abgehobene Ränder. Jeder abgehobene Nagel ist eine Reparatur oder eine vorgezogene Neumodellage, und beides kostet mehr als die halbe Stunde, die eingespart wurde.
Die zweite ist der Umfang. Wenn der beworbene Preis die Abnahme nicht enthält, bei Dir aber noch etwas auf den Nägeln liegt, ist der Termin am Ende zwei Posten lang. Das ist völlig in Ordnung, solange es vorher gesagt wird. Die Frage gehört deshalb ans Telefon und nicht an die Kasse.
Die dritte ist die Bindung. Ein sehr günstiges Angebot für den ersten Termin rechnet damit, dass Du zum Auffüllen wiederkommst — und das Auffüllen ist die Zeile, die zwanzigmal im Jahr anfällt. Schau Dir deshalb immer beide Zahlen an, bevor Du buchst. Ein Studio, das den Erstbesuch verschenkt und beim Auffüllen über dem Ortsüblichen liegt, ist über zwölf Monate gerechnet das teurere.
5. Fünf Fragen, die Dir den Preis vorher verraten
Diese fünf Fragen dauern am Telefon zusammen keine zwei Minuten und ersparen Dir die Überraschung an der Kasse. Sie sind alle unverfänglich, und ein gutes Studio beantwortet sie, ohne zu zögern.
- Gilt der Preis für meine Wunschlänge? Nenn dabei ruhig eine ungefähre Länge oder eine Form — daraus ergibt sich die Stufe.
- Ist die Abnahme enthalten? Und macht es einen Unterschied, dass die Modellage aus einem anderen Studio stammt?
- Wird Nailart pro Nagel oder pro Termin berechnet? Frag gleich mit, was zwei Akzentnägel kosten — das ist der häufigste Fall.
- Was kostet eine Reparatur zwischen zwei Terminen? Und bekomme ich dafür kurzfristig einen Platz?
- Wie viel Zeit ist für den Termin eingeplant? Die Antwort sagt Dir mehr über die Arbeitsweise als jede Zahl auf der Liste.
Und wenn Du zwei Studios vergleichst: Vergleiche das Auffüllen und die Zeit, die dafür eingeplant ist. Das ist der Posten, der sich wiederholt, und die Zeit ist das, wofür Du eigentlich bezahlst.
Die Preisfrage bei Nägeln beantwortet sich nicht mit einer Zahl, sondern mit einer Struktur: ein Grundpreis für Standardlänge und eine Farbe, Aufpreise für Länge, Form und Design, eine Reparatur hier, eine Abnahme dort — und darüber der Takt von vier bis sechs Auffüllungen je Neumodellage. Wer diese Struktur kennt, ordnet jedes Angebot in zwei Minuten ein. Nimm beim nächsten Anruf die fünf Fragen mit und frag nach dem Auffüllpreis zuerst.
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